subject: scanditrain - INFO - Erzbahn
update:  2009-12-06
author:  SRS scanditrain
home   :Home (http://train.scanditrain.de)

 

Erzbahn:

Wer in Skandinavien von der Erzbahn spricht meint DIE Erzbahn in Lappland von Kiruna nach Narvik bzw an die Ostsee. Allerdings gab es früher auch andere Gebiete in denen Erz gefördert und per Bahn abtransportiert wurde.
 

Überblick

Der Hauptteil des Erzes wird im schwedischen Kiruna gewonnen und in Norwegen, in Narvik verschifft. Diese Strecke wurde 1891 fertig gestellt. Narvik wird von den Ausläufern des Golfstroms erreicht und ist daher ganzjährig eisfrei. Weiter gibt es eine Grube in Koskulskulle bei Malmberget/Gällivare. Das hier gewonnene Erz wird vornehmlich in die andere Richtung gefahren, nämlich nach Luleå an die Ostsee. Inbetriebnahme dieser Strecke 1895. Beide Streckenteile wurden 1903 miteinenader verbunden. An einer Stichstrecke dieser Verbindung liegt die erst später erschlossene Grube in Svappavaara, die inzwischen stillgelegt ist. Allerdings ist hier noch die Erzaufbereitung aktiv, d.h. auch dieser Standort wird von Erzzügen angefahren. In den Jahren 1915 bis 1922 wurde die gesamte Strecke elektifiziert.
Natürlich stellt der Betrieb einer solchen Bahnlinie im Winter und vor allem im höher gelegenen Streckenabschnitt im Bereich der schwedisch-norwegischen Grenze und dann hinunter nach Narvik ganz besondere Anforderungen - von den enormen Zuglasten der Erzzüge ganz zu schweigen. 

Die Grubengesellschaft LKAB hat 1993 von den schwedischen und norwegischen Staatsbahnen den Transport in eigener Regie übernommen. 1996 wurde dann der Transportbereich ausgelagert und es wurde je eine norwegische und eine schwedische Transportfirma gegründet (MTAS bzw MTAB). Die Bahnstrecke selbst wird nach wie vor den jeweiligen Staatsbahnen unterhalten. Auf der Erzbahn (Querverbindung Nordsee - Ostsee) findet auch "normaler" Güterverkehr sowie überregionaler Personenverkehr statt. Im Sommer 2003 übernahm Connex/Veolia den Personenfernverkehr von Tågkompaniet, ab Sommer 2008 wird wieder SJ fahren. Daneben starten immer wieder Versuche einen mehr oder weniger touristisch orientierten Betrieb auf einer Teilstrecke von Narvik aus zu fahren. 2005 nahm hier die Narvik ansässige Bahngesellschaft OBAS (Ofotbanen AS) wieder eine Zugpaar in Betrieb.
Das norwegische Teilstück umfasst nur ca. 50 km von der Grenze zu Schweden hinunter nach Narvik - ohne weitere Verbindung zum norwegischen Streckennetz, das sonst etliche 100 km weiter südlich in Bodö endet.
In Schweden hat die Erzbahn in Gällivare Anschluß an die Strecke der Inlandsbahn, in Boden schließt die schwedische Hauptstrecke nach Süden Richtung Stockholm sowie eine Verbindung nach Finnland an. 

Lageplan der Erzbahn in Lappland
Kiruna Ezbahnhof
Kiruna, Abraumhalden, 2005 click to enlarge
Narvik Hafen
Narvik, Verladekran,  2005 click to enlarge

 Verkehr

Der Personenfernverkehr Narvik-Kiruna-Luleå, bzw weiter nach Stockholm wird schon seit vielen Jahren mit von Rc bespannten Wagenzügen, teilweise mit Kinowagen ("bio på tåg") und Speisewagen, durchgeführt. Im Januar 2000 übernahm nach gewonnener Ausschreibung Tågkompaniet die Verkehre von der SJ, seit Juni 2003 fährt Connex, bzw Veolia, seit Mitte 2008 wieder SJ. In der Regel nutzen die "privaten" Betreiber von der Staatsbahn angemietetes Material. Auffallend waren allerdings die bis 2002 eingesetzten ehemaligen deutschen Rheingold-Domcar, von denen Tågkompaniet 5 Stück  im Einsatz hatte. 
Der bereits erwähnte Regionalverkehr von Narvik aus wurde über Jahre im Sommer mit alten norwegischen Triebwagen der Reihe Bm 68 als reiner Touristenzug gefahren. Der Verkehr ruhte dann einige Jahre bis die neue Narviker Bahngesellschaft OBAS (Ofotbanen AS) mit einem Zug, gebildet aus angekauften älteren norwegischen Personenwagen und einer El13 im Jahr 2005 den Betrieb des "Karven" genannten Zuges wieder aufnahm. Meist fuhr aber statt des Zuges nur ein Bus. 

Der reguläre Güterverkehr findet mit Container-Ganzzügen statt. Bekannt ist der ARE (ArcticRailExpress) von Oslo durch Schweden nach Narvik. Zuglok ist die schwedische Rc. Auffallend ist ausserdem der aus Tragwagen mit blauen Behältern gebildete Zug, den TGOJ mit einer Lok der Reihe Ma fährt. Hier wird Sulfiderz transportiert, das von der Grube Attik per LKW nach Gällivare kommt, dort umgeladen wird und weiter in ein Werk des Konzerns "Boliden" bei Skellefteå an die Ostsee.

Dominant sind logischerweise die Erzzüge selbst, die den ganzen Tag über unermüdlich das Erz an die Küstenhäfen Narvik und Luleå bringen. Erz wird seltener als Erzstaub, meist in Form von Pellets, das sind kleine Kügelchen von ca 1cm Durchmesser, transportiert. Daneben wird von Narvik aus das zur Erzaufbereitung verwendete Olivin, das auf die Entfernung wie ein feiner weißer Schotter aussieht, nach Kiruna und Svappavaare gefahren.
Die Erzgrube in Kiruna produziert ca. 2 % des Welterzaufkommens !

 

Connex in Abisko
Personenzug in Abisko, 2005 click to enlarge
.
Boliden Umschlagplatz Gällivare
Umschlagplatz Gällivare, 2005click to enlarge
.
IORE trifft Dm3
IORE trifft Dm3,Gransjö, 2003 click to enlarge
.
Narvik Bahnhof
Narvik, Personenbahnhof, 2005click to enlarge

Fahrzeugmaterial Erzverkehr

Begonnen wurden der Erzverkehr mit Dampfloks und zweiachsigen Wagen, von denen jeder 25 Tonnen befördern konnte. Auch die netten drei-achsigen Erzwagen (Typ Mas) haben schon längst ausgedient. Mit den dann 4-achsigen Wagen erfolgten weitere Steigerungen der Transportmengen, so dass das Eisenerzes viele Jahre hinweg bis 2006 in 52-Wagen-Zügen befördert wurde; dabei brachte jeder Erzwagen leer 20 und beladen 100 Tonnen auf die Waage - die Züge wiegen also 5200 Tonnen. Als Zuglok dient entweder die dreiteilige Dm3 (mit Stangenantrieb, 7200kw, Bj. 1960-1970) oder eine der 9 neuen IORE-Doppelloks (10800kw, Baujahr 2000-2004). Die 6 norwegischen El15, die in Doppeltraktion unterwegs waren, sind seit Ende 2003 nicht mehr im Einsatz - sie wurden Ende 2004 an das südschwedische Unternehmen HectorRail verkauft. Zusammengehalten werden die Erzzüge mit Mittelpufferkupplungen (Klauenkupplung) sowjetischer Bauart. 

Verwendet wurden für die 52-Wagen-Züge ausschließlich 4achsige Selbstentladewagen, die speziell für die Erzbahn konstruiert sind. Im Regelfall sind das Wagen der Reihe Uad und Uadk mit 80t Zuladung (Gesamtgewicht 100t). Anfang der 1990´er Jahre wurde dann geplant, mit neuen Wagen und längeren Zügen die Transportmengen abermals zu erhöhen. Die neuen Wagen sollten jeweils 100t Erz zuladen können und in Zügen mit 68 Wagen (Gesamtgewicht der Züge damit rund 8160 Tonnen) verkehren. Die ab 2000 gelieferten IORE-Doppelloks waren die hierfür vorgesehene Traktion. 
Der Knackpunkt war die notwendige Erhöhung der Achslast von 25 auf 30 Tonnen. Seit ca. 2003 gab es zunächst einen "Testzug" der aus neuen Wagen Typ Uno, mit einem Maximalgewicht von 120t je Einzelwagen, bestand. Da sich diese in Südafrika gebauten Wagen jedoch nicht bewährten wurden 2005 erst einmal weitere 110 Wagen des bisherigen Baumusters gekauft (Typ Uadk).
2006 waren dann die Tests mit neuen in Schweden hergestellten 120t - Wagen erfolgreich. Ende 2006 wurden 680 (!) neue Wagen vom Typ F bestellt. Das Untergestell stellt Kokums/Malmö (K-Industries) her, den Aufbau macht "Kiruna Wagons" in Kiruna selbst. Der Lieferabschluss ist geplant 2010. Die Wagen werden jeweils als Paar fest mit einer Stange gekuppelt, das spart technische Ausrüstung bei den Bremsluftbehältern.

Durch die IORE und die längeren Züge sollten die alten Dm3 komplett überflüssig werden. Bedingt durch den ersten Mißerfolg mit den längeren Zügen, verbunden mit einem gleichzeitig deutlichen Anstieg der Erzproduktion, waren zunächst beide Loktypen mit den herkömlichen 52-Wagen Zügen voll im Einsatz. Nur die 6 norwegischen El 15 konnten ausgemustert werden. Im Laufe des Jahres 2007 wurden dann im Südumlauf nach Luleå eigentlich nur noch die neuen 68-Wagen-Züge eingesetzt. Ende 2009 wurden dann die erste der vier weiteren bestellten IORE-Loks ausgeliefert. Inzwischen ist auch die Strecke nach Narvik (Nordumlauf) auf die neuen Achslasten und Zuglängen vorbereitet. Die neue Entladeanlage wurde im Oktober 2009 in Narvik in Betrieb genommen. 
Die Stangenlok Dm3 ist mithin ein Auslaufmodell, nur einige wenige sollen als Reserve nach 2011 noch im Dienst bleiben.

Zum rangieren der Erzzüge (mit Diesel) stehen insgesamt zwei T44 und vier T46 zur Verfügung - letztere hat die gleiche GM-Maschine wie die T44, ist aber mit sechs Achsen und einem Gewicht von 150 Tonnen für Erzzüge besser gerüstet. Daneben ist in Narvik noch eine "Motala"-Rangierlok als Reserve im Einsatz und wohl mehr aus Liebhaberei ist in Kiruna auch noch eine alte Stangen-Elok vom Typ Da vorrätig. 2007 dann wurde beschlossen die T46 gründlich zu modernisieren, begonnen wurde mit T46-2 im Herbst in Vetlanda bei STT.

Das Betriebswerk ist in Kiruna.

Eine ausführliche bildliche Darstellung aller Triebfahrzeuge findet sich bei den "specials" unter der Rubrik "Erzbahn".
 

Erzwagen Mas
Erzwagen Mas, Narvik, 2003click to enlarge
.
Erzwagen Uad
Erzwagen Uad, Narvik, 2005 click to enlarge
.
Erzwagen Uadk
Erzwagen Uadk, Kiruna, 2005 click to enlarge
.
Erzwagen Uano
Erzwg. Uno, Gällivare, 2003 click to enlarge
.
Erzwagen F
Erzwg. F, Svappavaara, 2007 click to enlarge
.
Dm3 mit Erzzug in Vassijaure
52 Wagen, Vassijaue, 2003 click to enlarge
 
back to index Zurück zum Index